Also ich muss jetzt vorsichtig sein, deshalb kann ich nur leise sprechen. Die anderen hören mich
wahrscheinlich. Wir sind nämlich zum jetzigen Zeitpunkt alle in einem Körper. In Janus’ Körper um genau
zu sein.
Gerade zanken einige wie die Goblins wer denn jetzt entscheiden darf was der eine Körper tut den wir
zu siebt, nein, zu acht … bewohnen? Kann man das so sagen? Diesen Streit nutze ich, um kurz zu
erzählen was uns passiert ist.
Aber bevor ich beginne: es gibt noch etwas an der Situation, das bemerkenswert ist: Wir sind mal wieder
in der Zeit gereist worden und zwar vier Jahrtausende in die Vergangenheit.
Nachdem wir die eine Echse besiegt und den anderen beiden bis zu den großen steinerne Stufen gefolgt
sind, erklommen wir die Pyramide. Ihre Tore waren unbekannte Symbolen und magischen Siegeln
versehen, sodass selbst unsere starken Mitstreiter, die es versuchten, nicht eindringen konnten.
Auf der Suche nach einem anderen Eingang umrundeten wir auf unserer Etage der steinernen Blöcke
die Pyramide und entdeckten einen Spalt, der gerade eine Person aufnimmt.
Wie auch immer ich zu der Ehre kam, ich wurde per Seil als Erster hinabgelassen.
Nach einigen Anstrengungen, Schürfwunden und kleineren Zwischenfällen (mein Flim Flam wird immer
schwächer und Janus’ Liturgien misslingen), kommen wir am Ende an und stehen bis zur Brust in
brackigem, öligem Wasser.
Außer Cyrill. Der ist noch sechzehn Schritt über uns und bevor er sich sicher ablassen kann, versucht
ihn jemand samt Seil hinaufzuziehen. Er zieht zurück und nach einem plötzlichen Ruck kommen alle
fünfzig Schritt unseres Seils herunter. D.h. Cyrill muss es jetzt irgendwie schaffen ohne Seil zu uns zu
stoßen. Nachdem er bis zum letztmöglichen Halt abstieg, fackelte er nicht lange, denn aus dem
spärlichen Licht das die Decke noch erreichte kam ein Legionär geflogen, der zwischen uns einschlägt
wie eine Bombe. Sein Sprung erinnerte mich an den Kopfrüßler Helmuth am Wasserfall.
Die gute Nachricht: Er lebt. Die schlechte Nachricht: Wir kommen auf diesem Wege nicht mehr zurück.
Nachdem wir uns zusammengerauft haben, finden wir eine Metalltür, die uns aus diesem Gewölbe mit
seinen algigen Mauern und ekligem Wasser führt. Durch ein Labyrinth aus unterschiedlichsten Kammern
mit unterschiedlichsten Einrichtungen und Gefahren (der Thorwaler jagt uns z.B. in einem Raum alle in
die Luft), erreichen wir eine Grabkammer.
Darin ein dreistufig verschachtelter, offener Sarkophag, sechs Urnen voller Asche und eine weitere mit
einem Pergament.
Und Avata Friedenslied, der Temporalmagie beherrschende Elf. Thorgal fällt auch hier wieder negativ
auf und wird an die Wand geschleudert.
Avata erklärt uns dass es ein Band gibt, welches er sehen kann, das viertausend Jahre zurückreicht und
uns einschließt. Er will uns wieder in der Zeit reisen lassen. Um ihn rufen zu können überreicht er mir ein
Artefakt. Eine Kugel, Zeitenruf, mit der man ihn in und zu jeder Zeit erreichen kann, solange man sich in
dieser Grabkammer, also am selben Ort befindet. Unsere neue Aufgabe besteht nun darin
herauszufinden was vor 4000 Jahren passiert ist. Und das binnen eines Praioslaufs. Denn dann will er
uns zurückholen, das kann er aber nur, wenn wir in der Grabkammer stehen. Tun wir das nicht, bleiben
wir in der Zeit hängen. Und bis Cyrill sich wieder auskennt, sind es von da ab noch 2500 Jahre. Wäre
also zu vermeiden, wie der Beilunker Jahrmarkt.
Avata sendet uns zurück. Eine Röhre aus Lichtstreifen erscheint und zieht in raschem Tempo an mir
vorbei. Ich fühle mich wie ein Marienkäfer, der an einem Sommertag durch eine hohle, löchrige
Schilfröhre purzelt.
Als ich wieder zu mir komme bin ich im scheinbar selben Raum, nackt und ohne Ausrüstung, allerdings
sind die Urnen weg und der Sarkophag intakt. Die anderen sind wohl woanders gelandet, denn ich bin
alleine. Wie von Avata angewiesen, will ich die Treppen erklimmen … und falle um. Da höre ich empörte,
überraschte und zornige Rufe meiner Mitstreiter und als mein Körper sich ganz ohne meinen Willen
bewegt wird klar: Wir sind alle in einem Körper in dieser Zeit angekommen.
Nachdem allen die Lage klar wird, geht das Gezeter und Geschrei los was zu tun sei und wie … aber das
habe ich ja eingangs schon erwähnt.
Nachdem wir es dann die Treppen hochgeschafft und durch mehrere Räume mit Echsenstatuen
gekommen sind (eine trug die Darstellung einer Fackel, die andere einen Krokodilsschlauch aus Leder,
die Dritte einen Kristall) gelangten wir in einen Raum, dessen Wände und Decke von Fresken gefüllt
waren und die scheinbar die Geschichte des Echsenvolkes erzählte. Dabei wurden tote Echsen an der
Decke, lebende an der Wand gezeigt und das Erscheinungsbild der Menschen und aller anderen Nicht-
Echsen war wild und unkultiviert. In einer Abbildung legt eine übergroße, vllt. der Echsengott selbst,
einer gekrönten Echse die Hand auf die Schulter.
Letztendlich verlassen wir mit unserem Körper die Pyramide, stehen in einer beachtlichen Höhe am
Ausgang und haben einen atemberaubenden Ausblick: Unser Blickfeld gefüllt von einem Meer aus
Zelten und ein Holzzaun, der die ganze Anlage zu umschließen scheint.
Wir sind nackt, unsichtbar … und scheinbar verrückt.