Session 37 – Die Stadt des toten Herrschers – Das Ritual der H’Rtsi

Session 37 – Die Stadt des toten Herrschers – Das Ritual der H’Rtsi

Umzingelt von knapp fünfzig Kriegern der Echsen, wird zu unseren Füßen ein Speer und ein Schild
niedergelegt. Uns wurde gesagt wir seien der Gesandte des Jaguars und müssten uns nun beweisen.
Beweisen im Sinne von “Zweikampf” gegen diesen augenlosen Hünen von einer Echse.
Dazu kann ich nicht viel beitragen, aber kurz darf ich die Kontrolle über unseren geteilten Leib
übernehmen, um den Geruchssinn und das Gehör unseres Kontrahenten mit einer gekonnten Illusion zu
stören. Statt grünem Dschungelduft und staubig-sandigem Platz, erfüllt die Luft nun eine Note blumiger
Damenfurz und anstelle der gespannten Stille und den Geräuschen des Urwalds, erklingen dutzende
knirschender Schritte um uns herum. Damit sollten die beiden verbliebenen Sinne unseres Konrahenten
hoffentlich zur Genüge getäuscht sein. Man könnte auch sagen, dass durch meine Aktion der Kampf
bereits zu 50% gewonnen ist.
51%.
Ab hier übernimmt Cyrill, viel muss er ja nicht mehr machen. Theatralisch zieht er mit dem Speer eine
Linie in den Sand. Mir war gar nicht bewusst, dass er eine dramatische Ader hat.
Der Kampf verläuft dann wie erwartet: Cyrill lässt die Echse auflaufen und landet mit dem Speer mehrere
schwere Treffer, sodass wir am Ende siegreich bleiben.
Auf welchen Fundamenten diese Kultur auch immer ruhen mag: Wenn man den Größten im Zweikampf
umhaut, scheinen die anderen zu glauben man sei der göttliche Gesandte. Zumindest ist das jetzt in
unserem Fall so und wir bekommen etwas zu essen, unterhalten uns mit Schawani über unseren
Hintergrund als Gesandter und schlafen am Ende den gerechten Schlaf des Siegers, in dem wir von
einem Affen träumen, den wir zwar jagen, aber einfach nicht einfangen können.
Als wir erwachen wird bereits fleißig allerlei Zeugs in und aus der Pyramide transportiert und uns ein
buntes Gewand verpasst. Nach einer kurzen Unterredung mit Krieger und Priester in der sie wissen
wollen, warum wir hier sind und wir ihnen zu verstehen geben, dass wir ein Unheil verhindern sollen,
erfahren wir, dass der Echsen-Herrscher sehr krank ist und aus Augen und Ohren blutet.
Schwuppdiwupp werden wir zum Herrscher gebracht und Amalia diagnostiziert einen Orklandschnupfen.
Auf einem Tischchen liegen chirurgische Utensilien für eine Trepanation bereit und Amalia öffnet dem
Herrscher den Kopf. Ich wusste gar nicht, dass sie so etwas kann? Jedenfalls fiebere ich während des
Eingriffs mit und greife imaginär nach Janus Ärmel, um mich an ihm festzuhalten.
Der Eingriff gelingt ihr, glaube ich, denn der Priester ist uns sehr dankbar, dass wir seinem Herrscher die
Schmerzen genommen haben. Dies will er uns nicht vergessen. Für mich sieht der Herrscher nun
jedenfalls sehr tot aus. Aber da es scheinbar sonst keinem auffällt, will ich es unerwähnt lassen.
Als Gesandter und meisterlicher Medicus sollen wir der Bestattung beiwohnen. Ein kurzer Blick auf
Zeitenruf offenbart, dass dieser sich langsam aber sicher dunkel färbt, was uns sechs bis sieben
Stunden lässt. Da wir ohnehin zurück in die Pyramide müssen, kommt uns das gelegen und so können
wir heimlich etwas geweihte Erde ins Grab rieseln lassen, sodass der Herrscher in Zukunft nicht mehr
aufersteht.
Mit diesen Gedanken begeben wir uns mit der riesigen Echsen-Prozession in die Pyramide – und
werden knallhart eingeschlossen.
Nachdem sich unsere Augen an das Licht gewöhnt haben, finden wir uns im Vorraum mit den ganzen
lebendigen Grabbeigaben wieder, vom eigentlich Sarkophag-Raum sind wir aber noch weit entfernt. Wir
suchen uns einen Weg zum Leichnam des Herrschers. Thorgal gefriert dabei kurzerhand eine
Wassergrube zu Eis und bannt einen Feuerelementar. Die letzte Wache vor unserem Ziel lässt nicht mit

sich reden oder versteht unser Anliegen nicht, dass wir dringend zur letzten Ruhestätte des Echsen-
Herrschers müssen. Könnte ihr doch egal sein, sie wird elendig verrotten in dieser Pyramide und es

merkt doch keiner, wenn sie uns vorbeilässt. Doch sie hat kein Einsehen und versperrt trotzig den Weg.
Diese Wesen mit ihren Prinzipien immer. Wie Janus, Lafadiel und Cyrill.
Als Konsequenz ihrer Eidestreue wird die Wache mitsamt Pforte durch einen Orkandifaxus pulverisiert.
Durch den aufgewirbelten Staub betreten wir die Grabkammer. In ihr befindet sich der Sarkophag und
sieben Behältnisse in denen sieben Pergamente stecken. Das heißt wir halten das selbe Pergament in
der Hand, das da in der siebten Urne steckt, bloß in 4000 Jahre älter. Scheinbar haben wir mit unserem
Eintreten das Ritual gestört und sind somit selbst daran Schuld, dass der Herrscher seine letzte Ruhe
nicht finden konnte. Diesen Gedanke im Hirn verspüre ich das das bekannte Ziehen, sehe den

Lichttunnel und nach einem Gefühl als würde ich nach vorne fallen, finde ich mich in meinem eigenen
Körper. Wir sind wieder 4000 Jahre gereist und am Ausgangspunkt in der Zukunft angelangt.
Mokoschka sei Dank, die Rückenschmerzen und die Kurzatmigkeit sind wieder da. Ist ja nicht
auszuhalten in einem so leistungsfähigen und starken Körper. Wer will schon seine Einkäufe die vier
Stufen zum Schaustellerwagen auf einmal hochtragen können. Nein, nein, ich setzte weiter schön auf
der zweiten Stufe ab und verschnaufe ein bisschen.
Doch die Wiedersehends-Freude mit mir selbst währt nicht lange. Der untote Herrscher und unzählige
seiner untoten Echsen (hoffentlich nicht die Wache mit dem Orkandifaxus) treten ein und er verlangt,
dass wir uns etwas wünschen. Es darf allerdings nicht unser Leben sein, denn das sei verwirkt.

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